Play it again, Sam – Die unendliche Ödnis sozialer Netzwerke

ADHS-Menschen hassen Wiederholungen. Wir brauchen ständig frische Impulse, um eine unserer positiven Eigenschaften zu befeuern: Phantasie.
Eigentlich naheliegend, sich mit Twitter und Instagram zu beschäftigen. Kurze, prägnante Statements, eine riesige Spielwiese von Themen. Hört sich an wie für uns gemacht. Weit gefehlt: Beide Netzwerke und ihre Klientel denken in Schubladen, schnell findet man sich in einer monothematischen Blase wieder. Wobei „Blase“ hier der falsche Begriff ist. Er impliziert einen Blick nach außen und die Möglichkeit, das Ding relativ mühelos zu verlassen. Beides wird allerdings nicht gern gesehen und von der Gemeinschaft mit der Höchststrafe belegt, der Nichtbeachtung.
Was mache ich hier überhaupt, habe ich mich nach einiger Zeit des Mitmischens in diesen Tummelplätzen der Langweiler gefragt. Die Möwe da bei Instagram, die vom Wilhelmshavener Südstrand. Die habe ich doch gestern erst auf einem anderen Profil gesehen – die ist schon prominent. Und warum bekommt die dröge Trulla, die noch nie einen eigenständigen Gedanken von sich gegeben hat, für jedes „Guten Morgen, erst mal Kaffee“ auf Twitter über 1000 Likes? Warum ist das Leben auf Instagram ein Running Gag marketinggeimpfter Tanzmäuse, während sich Keifer und Kopierer auf Twitter gegenseitig mundgerechte Fleischstücke aus den Waden reißen?
Ein Jahr lang tat ich mir das Experiment an. Dann merkte ich, dass ich jedes Mal schlechte Laune bekam, wenn ich mich damit beschäftigte. Klar, es war nicht nur soziologische Interesse, das mich dort teilnehmen ließ. Letztendlich ging es mir wie allen anderen auch um Anerkennung, Bestätigung, Gehörtwerden. Aber für ein paar Likes und Herzchen ist mir der Preis zu hoch. Rotierender Restmüll der Gewöhnlichkeit, spannend wie Reklame im ZDF, teuer bezahlt mit Lebenszeit.

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